Trauer ist so individuell, wie wir Menschen

Trauer und Verlust betreffen uns alle und lassen uns im besten Fall nicht unberührt zurück.

Es sind Erfahrungen, die uns erschüttern und bisherige Gewissheiten in Frage stellen. Oft werfen sie uns auf existentielle Fragen zurück:

Wo gehöre ich hin, wer bin ich, wie kann es überhaupt noch weitergehen?

Für den Trauerprozess gibt es keine Rezepte oder allgemeingültige Regeln.

Trauer ist so individuell, wie wir Menschen. Entsprechend sind unsere Bedürfnisse in dieser besonderen Zeit sehr unterschiedlich. Entscheidend ist, was der trauernde Mensch jetzt braucht. Das kann heute etwas ganz anderes sein wie morgen. Und das ist gut so.

So ist auch die Trauerbegleitung ein individueller Prozess.

Darüber zu reden kann helfen, oder eben gerade nicht. Trauer drückt sich nicht nur in Worten oder Tränen aus. Meist spüren wir sie auch im Körper. Beispielsweise als Last auf der Brust, als Druck im Bauch, als Schwere in den Gliedern oder einer diffusen Unruhe.

Köperarbeit, manchmal mehr als Worte, kann beim loslassen unterstützen.

Wir Menschen sind komplexe Wesen, ein Verlust muss nicht nur Trauer in uns auslösen. Sondern vielleicht ein ganzes Spektrum widersprüchlicher Emotionen.

Hier möchte ich besonders noch die Wut erwähnen.

Unser menschliches Leben ist sehr verletzlich. Es ergibt nicht immer Sinn und ist manchmal auch schlicht ungerecht.

Wieso stirbt jemand in jungen Jahren?

Wieso bekam er/sie/ ich gerade diese Krankheit?

Das sind Fragen, auf die es in meinem Verständnis keine eindeutigen Antworten gibt. Und an dieser Stelle begegnet uns oft Wut, sie ist die gesunde Reaktion auf Ungerechtigkeit.

Die 5 Wandlungsphasen der chinesischen Medizin bieten ein anschauliches Bild im Umgang mit Emotionen.

Sie erinnern uns zum einen an den stetigen Wandel, nichts währt ewig.

Und gleichzeitig zeigen uns die 5 Elemente auch immer wieder den Wert jeder dieser Phasen und Emotionen auf.

Wir zittern vor Freude, wir zittern vor Trauer.

Was müssen sie durchmachen, diese beiden, 

da sie natürlich in demselben Körper wohnen. 

Mary Oliver