Gesunde Gewohnheiten: Schlafen

Manchmal fast eine etwas lästige Nebensache in unserer leistungsorientierten Gesellschaft. Oder etwas Selbstverständliches, um das man sich erst kümmert, wenn es nicht mehr klappt: Schlafen.

Wie gut kannst Du schlafen?

Wie viel Schlaf tut Dir gut?

Fühlst Du Dich erholt, wenn Du am Morgen aufwachst?

Wie viel Aufmerksamkeit schenkst Du Deinem Schlaf?

Schlafen ist ein gratis Regenerationsprogramm und eine der besten Gesundheitsvorsorgen, die wir für uns pflegen können. Der Körper nutzt den Schlaf, um Verletzungen zu reparieren, schädliche Stoffe abzutransportieren und Erholungspro­zesse anzustoßen.

Hier nur ein paar Beispiele

Immunsystem: Im Schlaf steigt die Zahl Antikörper, die gezielt schädliche Bakterien und Viren einfangen.

Stoffwechselprodukte werden abgebaut und damit Ablagerungen entgegengewirkt.

Herz und Kreislauf: Schlaf senkt die Herzfrequenz und den Blutdruck in den Gefässen.

Gehirn und Geist: Besonders der Tiefschlaf ist wichtig für die Gedächtnisleistung und die Verankerung neuer Informationen. Im Schlaf sortiert und „archiviert“ unser Gehirn die durch den Tag empfangenen Eindrücke und schafft so Platz und Ordnung.

Schlaf regelt unter anderem auch das Wachstum von Muskeln und Knochenmasse. Dar­über hinaus trägt er dazu bei, die innerste Schicht der Blutgefäße von gefährlichen Ablagerungen zu reinigen

Sprich alles sortiert und regeneriert sich währenddem wir schlafen. Ein unglaublich kostbarer Vorgang, dem es lohnt Sorge zu tragen.

Ruhiger Geist – ruhiger Schlaf

Aus der Sicht der chinesischen Medizin und Philosophie betrachtet wird Schlaf eng mit Shen in Verbindung gebracht. Shen steht für Geist, Seele, das Göttliche und Bewusstsein.

Shen hat zwei Wohnsitze im Menschen. Der obere Wohnsitz befindet sich hinter dem 3. Auge oder Stirn Chakra. Hier sorgt Shen für Klarheit im Denken. Der untere Wohnsitz ist im Herzen, wo Shen für ausgewogene Gefühle zuständig ist und sich nachts zum schlafen zurückzieht.

Die Qualität unseres Schlafes sagt also auch viel über die Qualität und den Zustand unserer Gefühle und unseres Geistes aus. Klarheit im Denken und ausgewogene Gefühle sind die beste Grundlage für ruhigen, gesunden Schlaf.

Und das Ganze gilt auch umgekehrt.

Genügend Ruhe und Schlaf sind eine wichtige Voraussetzung für einen klaren Geist und eine harmonische Gefühlswelt. Shen  ist das Licht, das durch unsere Augen in die Welt strahlt. Wenn wir uns  mit unserem ganz eigenen inneren Feuer in diesem Leben einbringen wollen, gilt es Shen Sorge zu tragen. Heisst ganz konkret genügend Moment der Ruhe, des Rückzugs und der Entspannung für uns selbst zu schaffen.

Es lohnt sich eine Gewohnheit daraus zu machen, aufgewühlte Gefühle zu verarbeiten, so dass sie sich in Ruhe wieder setzen können. Und unserem Denken immer mal wieder eine Pause zu gönnen, um uns danach wieder klar und frisch auszurichten.

Spätestens abends, innehalten, Gefühle anerkennen und Gedankenschlaufen abschliessen ist eine super Vorsorge für gesunden Schlaf.

 

Praktische Tipps und Rituale für gesunden Schlaf

Tagebuch schreiben:

Den Tag reflektieren und damit Ordnung in Gedanken und Gefühle bringen. Was auf dem Papier und zwischen zwei Buchdeckeln abgelegt wurde, muss nicht mehr in unserem Herzen oder unserem Kopf herumgeistern.

Wenn Du keine Lust hast den Tag zu reflektieren, kannst Du Dir auch einfach kurz folgende 3 Fragen beantworten:

Wofür warst Du heute dankbar?

Auf was freust Du Dich morgen?

Wovon wünschst Du Dir mehr im Leben?

 

Abendspaziergang:

Statt ein Film oder Buch, wieso nicht nach dem Essen noch eine kleine Runde an der frischen Luft und durchs Quartier drehen. Bewegung und frische Luft, vielleicht sogar in einer grünen Umgebung, sind heilsam für Körper, Geist und Seele und lassen Kopf und Gefühle entspannt zur Ruhe kommen.

 

Eine heisse Badewanne:

Je nach Jahreszeit, einfach mal in der heissen Badewanne abtauchen und runterfahren entspannt wunderbar. Ein Fussbad bringt eine ähnliche Wirkung und ist die kürzere Alternative.

 

Schlafzimmer Einrichtung:

Wie aufgeräumt ist Dein Schlafzimmer? Im Bewusstsein, dass es stark davon abhängt, wie viel Platz man zur Verfügung hat. Aber es lohnt sich, das Schlafzimmer möglichst einfach einzurichten und besonders von Elektronik zu befreien. Die äussere Ordnung beeinflusst immer auch unsere innere Ordnung. Wenn alles „an seinem Platz“ ist, ist der Raum auch frei vom Unerledigtem und Loslassen fällt leichter. Das Schlafzimmer sollte (wie es der Name schon sagt) idealerweise ausschliesslich dem Schlaf –  und natürlich auch unserem Liebesleben – dienen. Entsprechend lohnt es sich, das Schlafzimmer klar als einen Ort der Ruhe und des Rückzugs zu gestalten und hier ist weniger oft mehr.

 

Meditation:

Ob geführt oder in Stille, meditieren vor dem Schlafengehen unterstützt uns ganzheitlich zur Ruhe zu kommen.  Meditation kann auch bedeuten, für 3-5 bewusste Atemzüge einfach ruhig am offenen Fenster zu verweilen und ganz bewusst die frische Luft in sich aufzunehmen. Oder sich beim Zähne putzen vor dem zu Bett gehen einfach voll und ganz auf diese EINE Tätigkeit einzulassen.

 

Den Geist ausrichten:

Wie erwähnt hängt der gesunde Schlaf eng mit einem klaren Geist zusammen. Von daher lohnt es sich, seinen Geist vor dem Einschlafen nochmals bewusst und klar auszurichten. Ein Gebet beispielsweise ist eine einfache Form seinen Geist positiv auszurichten und kann auch einfach bedeuten, seine Wünsche nochmals klar und still für sich selbst zu formulieren.

 

Akupressurpunkte, die den Schlaf unterstützen:

Blase 62 – Shen Mai

Lage: Am Fuss, in einer Vertiefung ca. 1 eine Fingerbreite unter der Spitze Aussenknöchels.

Wirkung: Der Punkt wirkt beruhigend, man fühlt sich weich, kann loslassen und spürt Hingabe und Vertrauen. Es fällt leichter sich fallen zu lassen.

Du Mai 20 – Bai Hui, Hauptstadt der Hundert Provinzen

Lage: Zuoberst auf dem Schädeldach, auf der Mittellinie des Kopfes. Man findet den Punkt am einfachsten, indem man sich eine Gerade vom tiefsten Punkt des Ohrläppchens zur Ohrmuschelspitze denkt und diese bis zur Scheitelhöhe verlängert. Bai Hui ist am Schnittpunkt dieser Geraden mit der Mittellinie.

Wirkung: Alle Kraftlinien des Organismus treffen in diesem Punkt zusammen – genauso wie die Kraftlinien der Erde im Nordpol zusammenkommen. Der Punkt hat eine beruhigende und ausgleichende Wirkung. Er bringt die Gedanken zur Ruhe und man fühlt sich zentriert. Er unterstützt die Hingabe an das Sein. Und er unterstützt die Verbindung zum Himmel und ein Gefühl des Eingebundenseins in den Kosmos.

Quelle: Das Tao der Akupressur und Akupunktur von Achim Eckert

 

Yoga – Vorwärtsbeugen

Jede Stellung, in der unser Herz tiefer liegt wie der Kopf, wirkt entspannend auf den ganzen Kreislauf. Von daher bieten sich abends Vorwärtsbeugen an. Auch weil sie eine schöne Gelegenheit sind, die Wahrnehmung wieder eher nach innen und auf uns selbst zu richten. Beruhigt sich der Geist, kann Shen für die Nacht friedlich im Herzen Platz nehmen.

Die Vorwärtsbeugen kann man im Sitzen (pashichimottanasana) oder im Stehen (Uttanasana) üben. Im Sitzen unterstütze ich mich gerne mit Kissen, so dass der Oberkörper und vor allem der Kopf loslassen können. Es geht nicht darum möglichst tief zu kommen, sondern eher eine entspannt angenehme Dehnung im Rücken zu finden. Hier verläuft auch der Blasen Meridian, der  u.a. An- und Entspannung in unserem Körper reguliert. Also ideal zum Runterfahren vor dem Schlafen.

Für Yoga Geübte kann es sich anbieten 3-5 Minuten in der Stellung zu  verweilen und sie wirken zu lassen. Dehnungsschmerz ist ok, sobald der Schmerz stechend wird oder die Gelenke schmerzen, Stellung unbedingt anpassen!

 

Last but not least -> Lieblingsmusik zum Einschlafen:

Spotify Playlist by beaimfluss: Sleep well

Musik und Klang berühren uns in der Tiefe und bringen uns entspannt und direkt in andere Frequenzen. Let the rythm guide you!

 

UND: Ruhen ist fast so gut wie Schlafen

Und für alle, die nun frustriert sind, weil sie schon vieles ausprobiert haben und der Schlaf trotz allen Vorkehrungen schwierig bleibt. Vertrau Deinem Körper! Er wird sich den Schlaf holen, den er braucht.

Auch wenn man  gerade nicht schlafen kann, wann immer möglich einfach im Dunkeln im Bett liegen bleiben, den Körper entspannen und die Gedanken träumerisch auf etwas Schönes ausrichten. Die Dunkelheit und die liegende Position (auch hier liegt das Herz tiefer) bringen alleine schon Entspannung ins ganze System.

Wer geübt ist in Meditation kann sich mit seinem Atem verbinden und diesem lauschen. Wenn die Gedanken abschweifen, immer wieder zurückholen zum Atem, oder dem weichen Kissen am Kopf oder dem bewussten Loslassen im Körper. Sich träumerisch in andere Welten versetzen, an vergangene oder künftige schöne Erlebnisse anknüpfen, entspannt und loslassen fällt dabei leichter.

Das stille Ruhen ohne Tun bringt immer Erholung. Sei freundlich mit Dir und übe Dich in Vertrauen, es ist alles gut, wie es gerade ist. Lass Dich einfach liegen & atmen, manchmal ist das alles was es braucht. Om & Amen 😉